Papstbesuch 2009


AM 21. JUNI 2009 KOMMT PAPST BENEDIKT ALS PILGER NACH SAN GIOVANI ROTONDO !

von Br. Francesco D. Colacelli

Es gab keine Zweifel. Wir wussten, der Heilige Vater würde irgendwann kommen. Es war mehr als eine Hoffnung. Es war eine Gewissheit, die sich an die verschiedenen Ausdrücke der Wertschätzung für Pater Pio vor und nach der Wahl auf den Stuhl Petri knüpfte.

Er selbst hatte es unserem Erzbischof und dem Generalvikar des Ordens sowie dem Provinzialminister unserer Klosterprovinz versprochen. Die Frage war nur, wann.

Eine erste Antwort hatten wir am vergangenen 23. September von Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone erhalten, in bezug auf das Jahr 2009. Das genaue Datum erfuhren wir nun am 7. Dezember durch ein Schreiben von Msgr. Harvey, Präfekt des Päpstlichen Hauses: 21. Juni.

Jetzt wissen wir noch mehr. Wir wissen dass Benedikt XVI. zusammen mit den Gläubigen und den geistigen Kindern von Pater Pio die hl. Messe feiern wird und sich einen ganzen Tag in der Stadt wo der Heilige gelebt und gewirkt hat, aufhalten wird.

Schon diese zwei Geschenke, die der Papst uns machen will, sind ein weiteres sichtbares Zeichen der Zuneigung zu dem, den er als einen »einfachen Menschen, einen „armen Mönch", wie er sich selbst nannte, dem Gott die ewige Botschaft seiner gekreuzigten Liebe für die ganze Menschheit anvertraut hat«, bezeichnet hatte (vgl. Rede vom 14.0ktober 2006).

Dieses Wissen ruft in uns Mitbrüdern von Pater Pio nicht nur Befriedigung hervor, sondern verstärkt in erster Linie immer mehr das Bewusstsein unserer Verantwortung. Der Verantwortung, die beispielhafte Gestalt eines Christen, eines Ordensmannes, eines Priesters, der dem Gesang so vieler Sirenen, die den modernen Menschen betören, standgehalten hat, zu bewahren und allen mit dienstbarem Geist und Wahrheitsliebe zu vermitteln. Eines Mannes, der den Mut hatte, über die Umstände hinauszusehen, um den Allmächtigen zu betrachten, auf den er jeden Schritt seines Erdenlebens ausgerichtet hatte.
Der sein Herz hat überschwemmen lassen vom Strom der Liebe, der dem Kalvarienberg entsprang und in jedem Geschöpf, das bereit ist, diese Liebe aufzunehmen, immer neue Quellen entspringen lässt.

Pater Pio erobert die Menschen. Er erobert die Päpste. Der sanftmütige Benedikt XV. schätzte ihn. Der hochgebildete Pius Xl. gewährte ihm einen historischen Akt des Wohlwollens. Der mystische Pius XII. stimmte geistig vollkommen mit ihm überein. Der gute Johannes XXIII. erkannte schließlich die Lügen, die den Ordensmann in seinen Augen in ein schlechtes Licht zu setzen versuchten. Für den nachdenklichen Paul VI. war er eine Gewissheit. Der demütige Johannes Paul I. trug ihn im Herzen. Im Leben des Denkers Johannes Paul II. wurde er zu einem Bezugspunkt. Der Theologe Benedikt XVI. richtete sein Augenmerk auf ihn.

Er erobert die Jugend. Im Dezember ist unsere Kapuzinerfamilie um zwei Mitglieder reicher geworden, und viele Jungen und Mädchen, auch wenn sie den Laienstand beibehalten, teilen mit uns Gebete und ein Leben im Sinn des hl. Franz von Assisi.

Er erobert alle. Gläubige und Ungläubige. Er hat Kommunisten und Freimaurer bekehrt und führt auch heute noch hartnäckige Atheisten zu unseren Beichtstühlen, deren vereiste Herzen unter den Strahlen der Gnade schmelzen.

Deshalb ist unser Dank an den Heiligen Vater gleichzeitig auch Erwartung. Wir warten auf das maßgebende Wort des Glaubensmannes, des Theologen, vor allem aber des Vikars Christi, der uns helfen wird, dessen sind wir gewiss, den Schatz der Barmherzigkeit, den Gott in die Hände eines »armen Mönches« gelegt hat und der sich jetzt in den unseren, noch ärmeren befindet, besser und auf geistig noch fruchtbarere Weise zu nutzen.

Wir unsererseits versuchen, diesen Schatz mit der grenzenlosen »weltweiten Klientel« unseres heiligen Mitbruders zu teilen.


DER PAPST ALS PILGER IN SAN GIOVANNI ROTONDO:

von Msgr. Como Francesko Ruppi


Es ist wirklich eine großartige, lang ersehnte und schließlich offiziell verkündete Nachricht.

Die Nachricht, dass Papst Benedikt XVI. ein „Pilger in San Giovanni Rotondo" sein wird, wurde von Kardinalstaatsekretär Betone als eine Botschaft aus erster Hand, vor allem aber als eine besondere Botschaft überbracht.

„Der Vikar Christi hat die feste Absicht, im nächsten Jahr eine Wallfahrt nach San Giovanni Rotondo zu unternehmen". Also keinen Besuch, sondern eine echte Wallfahrt im Sinn der antiken Wallfahrer, die schon vor Jahrhunderten auf den Gargano kamen, Päpste inbegriffen, zum Heiligtum des Erzengels Michael um durch ihn Impulse der Erneuerung und Frömmigkeit zu erlangen.

Man kann die Freude von Erzbischof D'Arnbrosio, der guten Kapuzinenbrüder, der Einwohner von San Giovanni Rotondo und der Bevölkerung von ganz Apulien über diesen weiteren Besuch gut verstehen denn nach Bari war der Papst im vergangenen Juni bereits im Salent ( Prov. Lecce ), in Santa Maria di Leuca und in Brindisi gewesen.

Ein großes Glück für die Region Apulien, in so wenigen Jahren mehrmals den Nachfolger Petri auf ihrem Boden empfangen zu dürfen.

Der angekündigte Besuch des Papstes unterscheidet sich jedoch wesentlich von den zwei vorausgegangenen, welche reine Pastoralreisen waren.

Dieser neue ist wie gesagt nicht nur ein apostolischer oder Pastoralbesuch, sondern eine echte Wallfahrt zum Grab des Hl. Pio, mehr oder weniger wie 1987 der Besuch von johannes Paul II, nur das dazwischen die Selig- und Heiligsprechung des stigmatisierten Kapuziners liegt.

Als der Autor dieses Artikels im März 1983 (Bischof Riccardo Ruotolo erinnert sich gut) in der Kapelle des Bischofspalastes in Termoli Papst Wojtyla persönlich bat, einen Besuch in San Giovanni Rotondo in sein Programm aufzunehmen und Msgr. Ruotolo vorstellte mit den Worten, dass man bei Pater sehr auf ihn warte, antwortete der Papst „Es ist auch mein Wunsch!" und schloss wie so oft mit einem breiten Lächeln.

Kanal Wojtyla war davor schon zweimal in San Giovanni Rotondo gewesen, als Priester und als Kardinal, er kannte Pater Pio persönlich, er hatte ihn um Gebete für eine junge, krebskranke Mutter ersucht und die Kraft seiner Fürsprache erlebt. Gewiss wusste er von allen Polemiken und kannte den langen kanonischen Weg einer Heiligsprechung. Was er nicht wusste war, dass der Präfekt der Kongregation für die Heiligsprechungen zu Bischof Vailati gesagt hatte, er möge keine Eile haben, sondern im Gegenteil sehr viel Geduld, denn „ganz sicher hätten weder er noch seine Nachfolger die Heiligsprechung von Pater Pio gesehen".

Das Jahr 1983 war für Pater Pio und San Giovanni Rotondo ganz anderes als das Jahr 2008... Und trotzdem hielt Johannes Paul II. sein Versprechen und kam vier Jahre später auf den Gargano, um am Grab von Pater Pio niederzuknien und das „Haus zur Linderung der Leiden" zu besichtigen, womit er der Geschichte eine vorzeitige Verehrung für den zeigte, der damals nur ein Diener Gottes war, mit einem Prozess von ganz ungewissem Ausgang!

Der Besuch von Johannes Paul II. beschleunigte nicht den Abschluss des Selig- und Heilig-sprechungsprozesses, erzeugte aber eine ungeheure Resonanz, denn alles, was er sagte oder tat ist inzwischen nicht nur in den Chroniken verewigt, sondern im Herzen der über die ganze Welt verstreuten, unermesslichen Zahl von Verehrern des Stigmatisierten eingeprägt.

Benedikt XVI. dagegen kommt nicht als Freund oder Bewunderer des Paters nach San Giovanni Rotondo, sondern als Pilger. Er begibt sich also zu Füßen eines Heiligen, verehrt dessen Namen, kniet vor seinen heiligen Gebeinen nieder und bekennt, dass der Ordensmann vom Gargano im zwanzigsten Jahrhundert, wie vor ihm Franz von Assisi, das lebendige Abbild Christi des Gekreuzigten gewesen ist.

Beide trugen auf ihrem Körpers eingeprägt die sichtbaren Zeichen der Passion und des Kreuzes.

Wenn der Papst etwas tut sagt man, tut er es nie allein, sondern zieht die ganze Kirche, deren sichtbares Oberhaupt und Glaubenslehrer er ist, nach sich.

Mit Benedikt XVI. kommt 2009 der apastolische Pilger nach San Giovanni Rotondo, der die unermessliche Schar von Gläubigen, jene »weltweite Klientel«, wie Paul VI die Verehrer von Pater Pio bezeichnete, mit sich bringt.

Kard. Bertone hat gut daran getan, die Ergebnisse des apostolischen Besuchs 1921 von Msgr. Carlo Raffaele Rossi, Gesandter des Heiligen Stuhls, zu enthüllen, der die Wolken zerstreute, die oft seitens des Hl. Offiziums in Bezug auf den stigmatisierten Ordensmann aufgekommen waren. Seine Antwort, dass »wenn die Kirche spricht, spricht Christus selbst« offenbart den Glauben und die große Katholizität des heiligen Kapuziners.

Zwischen dem Besuch von Johannes Paul II und der Wallfahrt von Benedikt XVI. liegen die Seligsprechung und die Heiligsprechung mit Anerkennung nicht nur der fortwährenden Gnaden und Wunder, sondern auch der Ausbreitung der Gebetsgruppen und dem repräsentativen Wachsen der Verehrung für seine geliebte Person.

Die Wolken sind fast ganz verschwunden, und in hellem Licht erscheint die unmittelbare, tiefe Heiligkeit eines hl. Ordensmannes, der nicht nur ein Dorf, sondern eine ganze Region groß gemacht hat, die sich fortwährend im Kielwasser seiner Tugenden bewegt hat und bewegt.

Die Wallfahrt des Papstes muss jedoch wie jede Wallfahrt nicht nur äußerlich, sondern vor allem innerlich vorbereitet und wie ein übernatürliches Ereignis erlebt werden, das der Herr uns als Gelegenheit zu unserer Heiligung anbietet.

Sie muss mit Gebet und Buße vorbereitet werden, so wie es die antiken Pilger taten: ein intensives Gebet, in perfekter Übereinstimmung mit den Lehren von Pater Pio und dem Ziel der von ihm inspirierten Gruppen; eine Buße, die Reinigung sein will, Befreiung von allem irdischen Flitter, Bekehrung des Herzens zum Wesentlichen des Glauben.

Und außer dem Gebet erfordert die weltzivile Wallfahrt, die die Kirche zusammen mit Benedikt XVI. unternimmt, auch das Zeugnis der Nächstenliebe,gemäß dem, was Pater Pio gelehrt hat, nicht nur durch den Bau der Casa Sollievo della Sofferenza, sondern auch in seinem fünfzigjährigen Dienst an den Armen, den Kranken, den Sündern.

Diese Vorbereitungen müssen sofort beginnen, damit das Ereignis wirklich ein Ereignis der Gnade werde. Für alle.