S. Euthymia und R. Drevermann


Zeugnis von Rolf Drevermann

Schwester Euthymia ist auf dem Centralfriedhof in Münster beigesetzt. Ihre Grabstelle ist sehr leicht zu finden. Ich, Rolf Drevermann, habe dort ein großartiges Erlebnis gehabt.

Anfang Oktober besuchte ich die Selige Euthymia zusammen mit meinem Freund, dem Franziskaner-Pater José aus Mallorca an ihrem Grab. Ich betete und legte ihr meine Anliegen, Sorgen, Nöte dar.
Ich befand mich in einem seelisch desolaten Zustand. Vertieft im Gebet nahm ich auf einmal einen mir nicht bekannten, wunderschönen Blumenduft war.

Da ich seit 19 Jahren von meinem geliebten geistlichen Vater Padre Pio mit den unterschiedlichsten himmlischen Düften begleitet werde, dachte ich mir sofort, dass kann nur die selige Schwester Euthymia sein. Kleine Zweifel aber blieben doch. Ich schaute mich um und sah die vielen Blumen, die ihr zu Ehren an ihr Grab gestellt waren und mich doch verunsicherten. Auch Pater José erlebte diese Düfte, wie er mir später versicherte.

Trotz der Zweifel spürte ich plötzlich Ruhe und Freude in mir.Jetzt war ich mir sicher: Sie hat meine Gebete erhört, und mich mit diesem himmlischen Blumenduft trösten wollen.

Danke, danke liebe selige Euthymia dass du mich angehört hast und mir die unendliche Liebe, welche Du schon zu Lebzeiten den Kranken und bedürftigen zukommen ließest, auch mir geschenkt hast.

Wir verließen nun ihr Grab und stiegen ins Auto um nach Warendorf zurück zu fahren. Kaum hatte ich den Motor gestartet, zerstreute Schwester Euthymia alle Zweifel und umkoste uns aufs neue mit diesem himmlischen, außergewöhnlichen Blumenduft und begleitete uns bis nach Telgte.

Ich war durch diese Erlebnisse sehr gerührt und Scham kam in mir auf. Wenn früher Verehrer der seligen Euthymia Sie mir ans Herz legen wollten, habe ich mich immer innerlich gesperrt, denn ich hatte ja meinen Pater Pio. Heut schäme ich mich dafür. Bitte verzeihe mir liebste Euthymia. Ich bin dir sehr dankbar, dass auch du mir deine unendliche Liebe zu den Menschenkindern offenbart hast und in meiner Not für mich da warst.

Nun möchte ich dich immer in meiner Nähe haben, nicht nur spirituell. Einen Ehrenplatz in meinem Herzen schenke ich dir. Bitte nimm ihn an und halte mit Freuden Einzug in ihm.

Einen Ehrenplatz auf dem Padre Pio Mobil für das Foto der seligen Euthymia versteht sich von selbst, damit viele Menschen die auf der Suche nach spiritueller Erfüllung sind, sie kennen, lieben und verehren lernen. Wendet euch in eurer Not voller Vertrauen an unsere Seligen und Heiligen.





Wer war die Selige Schwester Euthymia ?

Selige Schwester Euthymia Emma Üffing wurde 1914 in Halverde (heute Kreis Steinfurt) geboren. 1934 trat sie in den Orden der Clemensschwestern in Münster ein und erhielt den Namen Euthymia.

Nach dem Noviziat arbeitete Schwester Euthymia von 1936 an im St. Vinzenz-Hospital in Dinslaken. Zunächst war sie in der Frauenstation eingesetzt bis sie 1937 den Dienst in der Isolierstation übernahm, die sich wegen der Ansteckungsgefahr in einer Holzbaracke des Krankenhauses befand.

Ab 1943 wurden in dieser Baracke Kriegsgefangene verschiedener Nationalitäten aufgenommen, mit deren Pflege Schwester Euthymia beauftragt wurde. Diese nannten sie "Engel der Liebe".

Nach dem Krieg wurde Schwester Euthymia die Leitung der Wäscherei im St. Vinzenz-Hospital übertragen.

Schwester Euthymia1948 kehrte sie nach Münster zurück und übernahm die Leitung der Wäscherei des Mutterhauses und der Raphaelsklinik.

Trotz der vielen Arbeit blieb sie die freundliche Schwester, die für jeden ein Lächeln und ein gutes Wort hatte und allen half, die sie um Hilfe baten. Euthymia verbrachte viel Zeit im Gebet.

1955 starb sie an den Folgen eines Krebsleidens. - Seit ihrem Tod bitten Menschen um ihre Fürsprache bei Gott. Schwester Euthymia wurde am 7. Oktober 2001 selig gesprochen.



Text von Norbert Glöckner:

"Ein Sonnenstrahl, der alle Tage leuchtet"

Für große Schlagzeilen stand sie nicht. Unscheinbar ihr Leben. An Höhepunkten arm. Und doch: Ein Heer von Kerzen weist Besuchern des münsterischen Zentralfriedhofs den Weg zu ihrem Grab - Schwester Euthymia.

Direkt nach ihrem Tod begann die Verehrung dieser Ordensfrau; das Volk hat sie zu einer Heiligen erklärt. Am 7. Oktober 2001 wurde ihr Lebensbeispiel nun auch offiziell durch die Seligsprechung herausgestellt.

Fünftes von zehn Kindern

Die Geschichte der Schwester Euthymia ist schnell erzählt: 1914 in Hopsten-Halverde im heutigen Kreis Steinfurt als fünftes von zehn Kindern geboren. Sie ist schwächlich, kann schlecht laufen. In Hopsten macht sie eine Ausbildung zur Hauswirtschafterin. 1934 tritt die 20-Jährige bei den Clemensschwestern in Münster ein.


Als Krankenschwester arbeitet die 1,56 Meter große Ordensfrau im St.-Vinzenz-Hospital in Dinslaken. Während des Krieges pflegt sie Kriegsgefangene und Fremdarbeiter auf einer Isolierstation. "Engel der Liebe" nennen sie die Patienten.

Versetzung ins Waschhaus

Am Ende des Krieges versetzt man sie in die Wäscherei. Zunächst in Dinslaken und dann ab 1948 im Mutterhaus in Münster hat sie dort die Leitung. 1955 stirbt Euthymia an Krebs - gerade einmal 41 Jahre alt.


Es ist nicht das "Was", das ihr Leben geprägt hat. Nichts Außergewöhnliches findet sich in ihrem kurzen Lebenslauf. Es ist das "Wie", das ihr Leben von dem anderer unterscheidet.

"... wie eine Mutter"

Die Kriegsgefangenen in Dinslaken sagten: "Sie war so gut zu uns, wie eine Mutter." Sichtbar werde an ihr die Kraft christlicher Versöhnung und christlicher Liebe über alle Grenzen und Schranken unter den Menschen hinweg, meinte der münsterische Bischof Reinhard Lettmann einmal.

Eine tiefe Frömmigkeit prägte diese Frau; was sie im Gebet erfuhr, lebte sie: Güte, Milde, Liebe. Für andere ungeteilt da sein, sich selbst und sein Leben verschenken – das hatte sie im Gebet erfahren und sie verwirklichte es in ihrem Leben. Die Menschen, die mit ihr zu tun hatten, spürten dies. "Der Herr soll mich brauchen, ein Sonnenstrahl zu sein, der alle Tage leuchtet, das möchte ich lernen", hatte sie einmal geschrieben.

Verbrennungen und Quetschungen

Am Tag nach ihrem Tod ereignete sich etwas, das im späteren Seligsprechungsverfahren als Wunder anerkannt wurde: Eine Schwester, deren Hand zwischen die Walzen einer Bügelmaschine gekommen war und dadurch schwere Verbrennungen und Quetschungen erlitt, bat am offenen Sarg von Schwester Euthymia um Fürsprache.

Innerhalb kürzester Zeit und für Mediziner unerklärlich wurde die Schwester geheilt. Immer wieder und bis in diese Tage hinein erbitten Menschen die Fürsprache von Schwester Euthymia. Und viele sehen sich erhört.

150.000 Briefe

Mehr als 150.000 Briefe im Mutterhaus der Clemensschwestern geben Zeugnis davon. So erhielt diese Frau nach ihrem Tod eine Popularität, die ihr während ihres Lebens wahrscheinlich peinlich gewesen wäre.



Die Ausstrahlung der Seligen ist ungebrochen
Phänomen Euthymia


Münster. Sind es die Geschichten von Gebetserhörungen, die die Faszination der Schwester Euthymia ausmachen? Oder ist es das Lebensbeispiel dieser unscheinbaren Ordensfrau, die – gütig und fromm – ihren Dienst tat bis zur Erschöpfung?

Tausende Berichte von Gebetserhörungen haben Schwester Raphaelis und Schwester Annette in den Archiven des Euthymia-Zentrums am Mutterhaus der Clemensschwestern in Münster gesammelt.


Ebenso füllen sich Fürbittbücher: im Euthymia-Zentrum, in der Raphaels-Klinik und im Internet, wie Schwester Annette berichtet. Die ganze Palette menschlicher Sorgen enthalten sie: "Krankheit, Arbeitslosigkeit, Nachbarschaftsstreitigkeiten, Kinderwunsch, Erziehungsprobleme", führt Schwester Raphaelis aus, und sie meint lächelnd: "Euthymia ist die Frau für die aussichtslosen Fälle."

Unerklärlich

Fälle wie dieser: Bei einer Untersuchung einer Schwangeren diagnostizieren Ärzte schwerste Schäden bei dem Ungeborenen. Sie raten der werdenden Mutter dringend zur Abtreibung. Sie betet gemeinsam mit ihrem Mann zu Euthymia, sie besuchen das Grab der Seligen. Die jungen Eltern entscheiden sich gegen den Schwangerschaftsabbruch und für das Kind. Es wird geboren: kerngesund.

Oder diese Begebenheit: "Ich habe einen 60-jährigen Mann an der Grabkapelle getroffen, der mir seine Geschichte erzählt hat: Er war mit dem Fahrrad vom Niederrhein bis nach Münster gefahren, um Euthymia für die Gesundung seiner Frau zu danken", berichtet Schwester Raphaelis. "Euthymia hat geholfen" - davon berichten unzählige Tafeln und Schilder, einfach auf Karton geschrieben, in Metallplatten graviert oder kunstvoll gestaltet.


Mehr noch: Sogar Kinder tragen den ungewöhnlichen Namen Euthymia. "Wir wissen von Paaren, die einen Kinderwunsch hatten. Trotz aller ärztlicher Kunst blieb er aber unerfüllt und erst die Fürbitte Euthymias ermöglichte das Elternglück", erzählt Schwester Raphaelis.

Kraft finden

Doch es sind nicht nur die spektakulären Gebetserhörungen, von denen die beiden Betreuerinnen des Euthymia-Zentrums wissen. Viele seien trotz des Gebetes nicht gesund geworden, aber sie hätten dennoch Kraft erhalten, "ihren Weg zu gehen". "Gott erhört jedes Gebet, aber nicht wie wir uns das vorstellen", meint Schwester Raphaelis. "Euthymia hilft, wenn unser Leben durchkreuzt wird, sie hat Verständnis und bittet für uns beim großen Gott."

Gerade darin sieht Schwester Annette die Faszination, die von der Seligen ausgeht: "Euthymia hat ihr Leben angenommen. Sie war total auf den Willen Gottes ausgerichtet und konnte sich selbst zurückstellen." Als junge Schwester, gibt Annette zu, sei ihr die Haltung Euthymias fremd gewesen: "Sie war mir zu tugendhaft." Erst später sei sie ihr näher gekommen. Bei Schwester Raphaelis ist die Verbindung anders, denn sie hat noch als Kinderkrankenpflegeschülerin Euthymia als Waschhausschwester erlebt. "Gottes Wille wurde ihr Wille", erklärt Raphaelis die innere Haltung der Seligen. "Sie nahm wahr, wenn jemand bedrückt war. Dann reagierte sie sehr behutsam und sie versprach: "Ich bete für Sie!""

Tief beeindruckt seien sie und ihre Mitschülerinnen gewesen, wenn sie Euthymia beim Gebet erlebt hätten. Nach Dienstschluss auf der Kinderstation der Raphaelsklinik seien sie noch kurz in die Kapelle gegangen. Oft habe Euthymia nach schwerer Arbeit dort gekniet und gebetet, "ohne sich an die Bank anzulehnen", was die jungen Frauen beeindruckt habe. "Das kann man nur, wenn man ganz tief in sich ruht", meint Schwester Annette. War Euthymia eine Mystikerin? Schwester Raphaelis und Schwester Annette sehen das so: "Bestimmt nicht in großen Worten, aber absolut sicher in ihrer ganz tiefen Verwurzelung in Gott."


Wunder am Tag nach dem Tod

Am Tag nach ihrem Tod ereignet sich das, was im späteren Seligsprechungsverfahren als Wunder anerkannt wird: Schwester M. Avelline Koenen, deren Hand zwischen die Walzen einer Bügelmaschine gekommen ist und dadurch schwere Verbrennungen und Quetschungen erlitt, bittet am offenen Sarg von Schwester Euthymia um Fürsprache. Innerhalb kürzester Zeit und für Mediziner unerklärlich heilt die Verletzung der Schwester.


Am 12. September 1955 wird die Verstorbene beerdigt. Um 13.30 Uhr zieht eine große Zahl Gläubiger vom Mutterhaus an der Klosterstraße zum Zentralfriedhof. Sofort wird ihr Grab ein Ort der Verehrung - und das, obwohl die Ordensleitung den Schwestern untersagte, dies zu unterstützen. Doch diese Weisung ist nur von kurzer Dauer. Sechs Wochen nach dem Tod bittet die damalige Generaloberin Schwester Ottokara alle Schwestern, Zeugnisse über Schwester Euthymia nach Münster zu schicken. "Diejenigen, die Schwester Euthymia richtig gekannt haben, sind fest überzeugt von ihrer vollendeten Heiligkeit", schreibt Schwester Ottokara.

Über das gewöhnliche Maß hinaus

Die folgenden Einsendungen belegen dies: "Man fühlte sich wohl bei dieser Mitschwester. Nie verletzte sie durch Worte die Liebe, immer deckte sie Schwächen und Fehler anderer entschuldigend zu." - "Alles was Schwester Euthymia tat, ging über das gewöhnliche Maß hinaus. Anweisungen gab sie stets nur als Bitte. Wenn sich andere freuten, war sie überglücklich." - "Aufgefallen ist mir ihre Haltung beim Gebet. Ich war davon so ergriffen, dass ich absichtlich ihre Nähe suchte, um mich von ihrer Andacht mitreißen zu lassen."

Immer wieder und bis heute erbitten Menschen die Fürsprache von Schwester Euthymia. Und viele sehen sich erhört. Mehr als 150.000 Briefe im Mutterhaus der Clemensschwestern geben Zeugnis davon. Ungezählte Menschen glauben: Schwester Euthymia ist eine Heilige.