Heilige Maria von Agreda


Engelssturz und Verfolgung der Menschheit durch Satan

Es ist hervorragend dazu geeignet, den wirklichen Sinn und das wahre Ziel des menschlichen Lebens begreifbar zu machen. Und kann niemals als zeitlich überholt betrachtet werden. Sehr sehr Lesenswert.


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MARÍA DE JESUS DE AGREDA Hl. Maria von Agreda

Spanische Franziskanerin und Mystikerin.

* 2.4. 1602 in Agreda (Soria/Spanien), † 24.5. 1665

Ratgeberin König Philipp IV. von Spanien.

MARÍA DE JESUS DE AGREDA, (María Coronel), trat mit 17 Jahren zusammen mit der Mutter und Schwester in das von ihren Eltern gegründete Franziskanerinnenkloster der Unbefleckten Empfängnis in Agreda ein und wurde bereits mit 25 Jahren Äbtissin des Konvents. Der Vater und zwei Brüder wurden gleichfalls Franziskaner. Maria von Jesus von Agreda starb an Pfingsten 1665 eines seligen Todes. Bei der amtlichen Öffnung ihres Sarges anlässlich ihres Seeligsprechungs- Prozesses im Jahre 1849 fand sich ihr Körper unverwest und verströmte himmlischen Duft.

Die mit Visionen begabte Mystikerin erregte bald Aufsehen. 1643 kam König Philipp IV. von Spanien Rat suchend zu ihr und stand von da an bis zu ihrem Tod in geheimem Briefwechsel mit Maria v. Agreda. Die später veröffentlichte, über 600 Schreiben umfassende Briefsammlung gibt zum einen Aufschluß über den wankelmütigen Charakter des Königs und zum anderen im Kontrast dazu die erstaunliche Fähigkeit der Maria v. Agreda, nicht nur geistliche Ratschläge zu erteilen (Glaube, Gebet, christliche Sitten, etc.), sondern dem König auch für die Regierungsgeschäfte des Landes konkrete Vorschläge zu machen. Die Mystikerin hat zahlreiche Schriften verfaßt, die posthum erschienen. Hauptwerk ist die »Mística ciudad de Dios« (Leben der jungfräulichen Gottesmutter Maria), das in Spanien sehr verbreitet und in verschiedene Sprachen übersetzt wurde (bis heute über 130 Auflagen in verschiedenen Sprachen).

Das Werk ist in Form eines erbaulichen Marienromans geschrieben, der auf den Visionen der M. beruht. Sie hatte es auf Anweisung ihres Beichtvaters nach 1637 niedergeschrieben, dann aber selbst, u. U. aus Furcht vor der Inquisition, vernichtet. Zwischen 1650 und 1660 entstand die heute erhaltene Fassung. Die »Mística Ciudad« drückt eine mystizistische Frömmigkeit aus, die neben den Offenbarungsquellen auch apokryphe Schriften und Überlieferungen der Volksfrömmigkeit einbezieht. Das Werk fand neben begeisterter Aufnahme scharfe Ablehnung. Hauptanklagepunkte bei den Gegnern waren eine übersteigerte Mariologie, unkritischer Gebrauch legendarischen Materials und der Anspruch, aufgrund persönlicher Offenbarungen zu schreiben. In Spanien befassten sich auf Anweisung König Karls IV. vier Universitäten mit der »Mística Ciudad« und erteilten ebenso wie die Universitäten Löwen und Toulouse ein positives Votum, während die Sorbonne 1696 einige Sätze verurteilte und das Buch 1713 sogar vorübergehend auf den Index gesetzt wurde, obwohl Papst Innocenz XI. selbst die Lektüre erlaubt hatte. In Deutschland setzte sich Eusebius Amort OSA (»De revelationibus«, Augsburg 1744) kritisch mit der Schrift auseinander. Dadurch entstand eine heftige Kontroverse, u. a. mit den Franziskanern Diego González Matheo und Landelin Maier, die Maria v. Agreda verteidigten. Kurfürst Max III. Joseph griff in den Streit ein, indem er Amort Schweigen auferlegte. Seitens des Gallikanismus, Jansenismus und der Aufklärung kam die hauptsächliche Kritik.

Nach der Dogmatisierung der Unbefleckten Empfängnis 1851 gab es erneutes Interesse für das Schrifttum der Maria v. Agreda, die dezidiert für diese Lehre eingetreten war. Sie gilt trotz der Kontroversen als eine der herausragenden Gestalten der spanischen Spiritualität des 17. Jhds.



Hl. Maria von Agreda





Engelsturz

und Verfolgung der Menschheit durch

Satan

Aus den 4 Büchern:

«Leben der jungfräulichen Gottesmutter Maria»

(Auszüge)


Bestellmöglichkeit: Tel.: 08671 – 12015 / Altötting

Lieber Leser, wenn Sie den Inhalt des aufgeführten Inhaltsverzeichnisses als Broschüre haben möchten, dann können Sie diese Broschüre kostenlos bestellen unter Tel 08806-1589 am besten Freitags 18-22h. Lukas Wagner, Schulstr.3, D-86919 Utting,

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Inhaltsverzeichnis

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Vorwort zur Broschüre

1 Die Erschaffung und die Prüfung der Engel
2 Luzifer geriet damals in eine sehr ungeordnete Selbstliebe
3 In den Werken Gottes ist alles nach Maß, Zahl und Gewicht geordnet
4 Ferner offenbarte Gott den Engeln,
5 Luzifer aber, voll Neid und aufgeblasener Hoffart, widersetzte sich
6 Hier muss ich noch ein anderes Geheimnis erwähnen.
7 Diese aufgeblasene, eitle Hoffart reizte den Zorn des Herrn
8 Auslegung des 12. Kapitels der Geheimen Offenbarung
9 Es war als sage Gott den Engeln:
10 Noch ein anderes Zeichen erschien am Himmel:
11 Die zehn Hörner dieser Häupter.
12 Der Drache trat vor die Frau,
13 Fortsetzung der Auslegung des zwölften Kapitel der geheimen Offenbarung.
14 Er ist Gott, der Allerhöchste, König aller Geschöpfe.
15 Mit diesen Worten kämpften der Heilige Michael und sein Anhang.
16 Doch Michael erwiderte: „Wer ist wie der Herr, unser Gott, der in den Höhen wohnt?
17 So offenbarte sich aufs neue Gottes Macht und Gerechtigkeit.
18 So wurde der große Drache gestürzt,
19 So war nun der Himmel von den bösen Engeln gesäubert.
20 Schluss der Auslegung des zwölften Kapitels der Geheimen Offenbarung...
21 Der Fall von Adam und Eva im Paradies.

22 Luzifer betrog sich selbst
23 An das Gebot anknüpfend,
24 Als Luzifer den Fall der Stammeltern gewahrte,

25 Im Augenblick der Menschwerdung des göttlichen Wortes
26 Alle tugendhaften und vollkommenen Frauen habe ich genau verfolgt, um unsere Feindin (Maria) zu finden,
27 Sie überlegten, wie sie die heiligste Jungfrau verfolgen könnten,
28 Luzifer will das Erlösungswerk verhindern.

29 Ich wusste, dass diese Ehre Ihm als Gott gebühre

30 „Meine Verwirrung ist jetzt zu groß,“

31 Nur gegen jenes Weib (Maria), unsere Feindin, trage ich tödlichen Hass,
32 Die Versammlung der bösen Geister nach dem Tode Jesu in der Hölle.

33 Von jenem Tage der Erschaffung der ersten Menschen an, habe ich danach getrachtet, den Gottmenschen und seine Mutter zu vernichten.
34 Oh ihr Menschen, wie seid ihr doch von Gott, den ich hasse, so sehr begünstigt.
35 Oh wie stark ist dieser Gottmensch,
36 Sie waren sich einig, dass es unmöglich sei, die Person Christi anzugreifen,
37 Die Menschen haben nun eine neue Lehre,
38 Einige Teufel machten es sich zur Aufgabe, die Neigungen der Kinder von ihrer Empfängnis und Geburt an in eine verkehrte Richtung zu bringen.
39 Wir müssen sorgen, dass die Menschen die Frömmigkeit und den Geschmack an geistlichen und göttlichen Dingen verlieren,
40 Es ist unmöglich, alles darzulegen,

41 Leider sind diese höchst wichtigen Wahrheiten in unseren Tagen gar sehr dem Gedächtnis der Menschen entschwunden zu ihrem entsetzlichen Schaden.
42 Die heilige Schrift und die Werke der heiligen Lehrer.
43 Damit nun jene, die dieses Buch lesen, aus diesem Schlafe erwachen,
44 Da dieser Feind ein unkörperlicher Geist ist, den keine Wirksamkeit ermüdet,
45 Sobald der Satan die Tatsache der natürlichen Zeugung eines Menschen erkennt,
46 Die Mittel des Allerhöchsten, die Menschen gegen diese Bosheit des Drachens zu beschützen, sind verschiedener Art.
47 Zu dieser allgemeinen Vorsehung Gottes kommt dann noch der Schutz unserer heiligen Engel.
48 Er sucht es dahin zu bringen, dass die Kinder sich manche schlimme Handlungen angewöhnen, dass sie Böses sehen und hören, und das ihrer Eltern in dieser Zeit an solche Gefahren nicht denken und darum auch keine Vorsorge dagegen treffen.
49 Nicht geringer ist aber die Sorge und Wachsamkeit der heiligen Engel,
50 Die Engel hingegen führen zu Gunsten der Kinder die Tugenden der Eltern und Ahnen an,
51 Hat der Mensch den vollen Vernunftgebrauch erlangt, dann wird der Kampf zwischen den bösen und den guten Engeln noch heftiger.
52 Unaufhörlich kommen uns die Engel durch Eingebungen und Ermahnungen zu Hilfe.
53 Eine unzweifelhafte Offenbarung göttlichen Schutzes war die Bekehrung des Saulus.
54 Luzifer und die Seinen empfanden die Geißel der göttlichen Allmacht.

55 Was hatte Saulus getan, um ein so außerordentliches Glück zu verdienen.




Vorwort

Maria von Agreda:

Engelssturz und Verfolgung der Menschheit durch Satan!



Das Imprimatur (kirchliche Druckerlaubnis), hat das erzbischöfliche Ordinariat Salzburg am 31. Mai 1954, Zl. 1311 für das Gesamtwerk erteilt

Der Inhalt dieser Broschüre ist zwar nicht der durchgehenden Reihenfolge entsprechend, jedoch wortgetreu übernommen, aus dem Offenbarungwerk „Leben der jungfräulichen Gottesmutter Maria,“ geoffenbart der Schwester Maria von Agreda aus Spanien in der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts.

Es ist hervorragend dazu geeignet, den wirklichen Sinn und das wahre Ziel des menschlichen Lebens begreifbar zu machen. Ein ausgewählter Teil davon ist in dieser Broschüre wiedergegeben und kann niemals als zeitlich überholt betrachtet werden.

Es wird darin berichtet, wie und warum der Sturz des einstmals höchsten Engels Luzifer und seines Anhanges aus dem Himmel zustande gekommen ist.

Da wir Menschen nach bestandener Prüfung dazu bestimmt sind diese Plätze im Himmel einzunehmen, die Satan und sein Anhang für immer verloren haben, sucht er nun seit Anbeginn der Welt dieses mit aller Macht aus Rache gegen Gott und aus Hass und Neid gegen die Menschen zu verhindern. Das ist der Grund für den unversöhnlichen Kampf des Satans gegen Gott und das ganze Menschengeschlecht, dessen Folgen wir tagtäglich immer wieder aufs Neue erfahren.

Man will aber nicht erkennen, dass die Ursache davon vom Satan in der Welt – mit der Zustimmung und Beihilfe der Menschen – zu ihrer verderblichen Wirkung gebracht werden. Dieser größte Feind Gottes und der Menschen hat es sogar vermocht, vielen Menschen den Gedanken einzugeben, dass es einen persönlichen Gott, besonders aber ihn selbst, den Teufel als Persönlichkeit – und damit eine Hölle, vor der die Menschen Angst haben müssten – überhaupt nicht gibt und alles nur symbolisch betrachtet werden muss.

Einen Feind den man aber nicht kennt, beachtet man nicht!

Durch den Unglauben, der Gleichgültigkeit und der Nichtbeachtung der göttlichen Gebote, bekommt der Satan seinen Einfluss auf die Gedanken und Handlungen der Menschen, deren verheerende Folgen im zunehmenden Maße zu sehen sind.

Bedingt durch die vergeblichen Bemühungen der Menschheit, Frieden und eine bessere und gerechtere Welt zu schaffen, die den Erfordernissen eines guten menschlichen Zusammenlebens gerecht wird, sollte es doch allmählich begriffen werden, dass alle diesbezüglichen Bestrebungen ohne Gott und die Anerkennung und Befolgung Seiner Gebote zum Scheitern verurteilt sind.

Um den rechten Weg sicher finden zu können und damit viel Leid nicht notwendig werden zu lassen, hat Gott der Menschheit immer wieder ganz besondere Hinweise und Gnaden zukommen lassen. Dazu gehören zweifellos die göttlichen Offenbarungen auf die eingangs hingewiesen wurde. Diese enthüllen in ganz besonderer Weise die Ursachen, Hintergründe und Folgen des satanischen Wirkens in der Welt. Darin werden die geheimsten Pläne und Absichten des Teufels und seiner höllischen Genossen gegen seinen Willen aufgedeckt – die Menschheit sollte dieses niemals erfahren – und schriftlich festhalten.

Es wird auch der wahre Grund enthüllt wie es möglich war, dass sich gerade nach dem Beginn des Christentums bis in die heutige Zeit hinein, eine Vielzahl der unterschiedlichsten Glaubensgemeinschaften und Sekten gebildet haben, wo jede für sich behauptet im Besitz der alleinigen Wahrheit zu sein. Es kann aber nicht nebeneinander mehrere der unterschiedlichsten Wahrheiten geben die sich gegenseitig widersprechen.

Da es Satan mit aller Macht verhindern wollte, dass seine Machenschaften zur Verwirrung, Irreführung und Vernichtung der ganzen Menschheit bekannt gemacht würden, begann durch seinen Einfluss verursacht, eine dreihundertjährige Auseinandersetzung um die Anerkennung der geoffenbarten Wahrheit, bis diese endlich von der Kirche anerkannt und veröffentlich werden konnte.

Aus den vorgenannten Gründen ist es auch nach dieser Zeit, bis zum heutigen Tage einer breiten Öffentlichkeit unbekannt geblieben, was auch mit dazu beigetragen hat, dass sich die Geisteskrankheit des Unglaubens immer weiter verbreiten konnte.

Es gibt wohl wenige Bücher, welche auf so allgemein verständliche Weise, die Erkenntnis über die neid- und hasserfüllte Verfolgung des ganzen Menschengeschlechts durch Satan und seiner höllischen Genossen klarer und deutlicher zum Ausdruck bringen. Darum behält dieses berühmte Werk gerade für die heutige Zeit seine besondere Bedeutung und sollte deshalb überall bekannt gemacht und allgemein verbreitet werden.

Abschließend kann noch gesagt werden, alle ökumenischen Bestrebungen werden erst dann von Erfolg gekrönt sein, wenn unsere Gottesmutter Maria, ihrer gottgewollten Stellung gemäß als Fürbitterin und Gnadenvermittlerin erkannt und anerkannt sein wird.

Lukas Wagner, der Herausgeber der Broschüre im Jahre 2004

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1. Die Erschaffung und Prüfung der Engel



Sie wurden von Gott im Himmel erschaffen und zwar im Stande der Gnade. Mit dieser sollten sie sich die Herrlichkeit als Lohn verdienen. Obwohl sie sich am Orte der Gnade befanden, schauten sie doch die Gottheit noch nicht von Angesicht zu Angesicht, bis sie es mit der Gnade durch Gehorsam gegen den göttlichen Willen verdient hätten.


Die guten wie auch die abtrünnigen Engel blieben nur kurze Zeit im Zustand der Prüfung, denn die Erschaffung, Prüfung und Entscheidung erfolgten in drei ganz kurzen Zeitabschnitten. Im ersten Zeitraum wurden alle Engel erschaffen und mit Gnaden und den Gaben des Heiligen Geistes ausgerüstet, so dass sie überaus schön und vollkommen waren.


Dann folgte eine kurze Weile, in der allen der Wille ihres Schöpfers kundgetan wurde. Sie empfingen das Gesetz und den Auftrag ihres Schöpfers als ihren höchsten Herrn anzuerkennen und so den Zweck ihres Daseins zu erfüllen.


In dieser kurzen Weile entbrannte zwischen dem Heiligen Michael und seinen Engeln jener große Streit wider den Drachen und seinen Anhang. Die guten Engel verdienten durch Beharrlichkeit in der Gnade die ewige Seligkeit. Die ungehorsamen hingegen verfielen durch ihre Auflehnung gegen Gott der ewigen Pein.


Ich (Maria von Agreda) wünschte zu wissen, aus welchem Beweggrund und durch welche Veranlassung Luzifer und sein Anhang ungehorsam waren und fielen. Ich erkannte, dass die bösen Engel der Verschuldung nach, vielerlei Verbrechen begehen konnten, wenn sie auch der Tat nach nicht alle begingen. Jene Sünden aber, die sie mit ihrem bösen Willen tatsächlich verübten, erzeugten in ihnen einen Habitus, d. h. die Neigung zu allem Bösen. Auch zu jenem, das sie selbst nicht verüben konnten. Zu diesen Sünden aber verführten sie die Menschen und freuen sich, wenn es ihnen gelingt.



2. Luzifer geriet damals in eine sehr ungeordnete Selbstliebe,


denn er sah sich mit einer höheren Schönheit der Natur und Gnade ausgerüstet, als die übrigen Engel. In dieser Erkenntnis hielt er sich zu lange auf, und das Wohlgefallen an sich selbst hemmte ihn so, dass er Gott, der einzigen Ursache all seiner Vorzüge, den schuldigen Dank lässig und träge darbrachte. Wiederum betrachtete er sich selbst.


Aufs Neue gefielen ihm seine Schönheit und seine Gnaden. Er schrieb sie sich selbst zu und liebte sie als seine eigenen. Diese ungeordnete Selbstbetrachtung bewirkte, dass er sich mit den Kräften, die er von einer höheren Macht empfangen hatte, nicht nur nicht, wie er sollte, über sich selbst erhob, sondern sie verführte ihn auch zum Neid gegen andere und zur Begierde nach den Gaben und Vorzügen der anderen. Da er diese für sich nicht erlangen konnte, entbrannte er in tödlichem Zorn und Hass gegen Gott, der ihn aus dem Nichts erschaffen hatte, und gegen alle Seine Geschöpfe. Aus dieser Verfassung entsprangen Ungehorsam, Vermessenheit, Ungerechtigkeit, Treulosigkeit, Gotteslästerung, ja, sogar eine Art Abgötterei, denn er begehrte für sich jene Anbetung, die man allein Gott schuldig ist. Er lästerte Gottes Hoheit und Heiligkeit. Er verlor den Glauben und die schuldige Treue. Er nahm sich vermessentlich vor, alle Geschöpfe zu vernichten, und schmeichelte sich, dies und noch manches andere ausführen zu können. In dieser Geisteshaltung verharrte er. Seine Hoffart steigerte sich. Doch seine Vermessenheit war größer als seine Stärke, denn in dieser konnte er nicht wachsen. Doch hinsichtlich der Sünde „ruft ein Abgrund dem anderen zu“, der erste sündige Engel war Luzifer, er verführte die anderen. Deshalb wird er der Fürst der bösen Geister genannt, also nicht vermöge seiner Natur. Nicht wegen dieser, sondern nur um der Sünde willen konnte er diesen Titel behaupten. Die sündigen Engel sind nicht alle aus einem Chor, sondern aus allen fielen Engel ab, und zwar viele. Jetzt will ich, wie ich es schaute, berichten nach welchen Ehren und Vorzügen Luzifer voll Neid und Hoffart trachtete.




3. In den Werken Gottes ist alles nach Maß, Zahl und Gewicht geordnet.


Darum beschloss die göttliche Vorsehung, den Engeln unmittelbar nach ihrer Erschaffung, - also bevor sie sich noch anderen Zielen zuwenden konnten – das Endziel zu offenbaren, zu dem sie erschaffen und mit einer so erhabenen und ausgezeichneten Natur begabt worden waren. Gott erleuchtete sie auf folgende Weise: Zuerst empfingen sie eine sehr eindrucksvolle Erkenntnis von der Wesenheit Gottes, Seiner Einheit in der Natur, Seiner Dreifaltigkeit in den Personen. Zugleich erhielten sie den Befehl, den unendlichen Gott als ihren Schöpfer und Herrn zu verehren und anzubeten. Alle folgten gehorsam, doch mit Unterschied, die guten Engel folgten aus Liebe und Gerechtigkeit. Sie unterwarfen sich mit besten Willen, nahmen gläubig auf, was ihre Fassungskraft überstieg, und gehorchten freudig. Luzifer aber unterwarf sich nur, weil ihm das Gegenteil unmöglich schien, darum auch nicht mit vollkommener Liebe. Er teilte seinen Willen zwischen sich und der untrüglichen Wahrheit des Herrn. Deshalb fand er das Gebot schwer und lästig und er erfüllte es nicht mit vollkommener Liebe und nicht aus Gerechtigkeit. Darum geriet er in eine Verfassung, die seinen Ungehorsam herbeiführte. Diese Lässigkeit und Zurückhaltung, mit der er diese ersten Akte setzte, beraubten ihn noch nicht der Gnade, doch begann hier seine üble Verfassung. Er empfand eine gewisse Schwäche in der Tugend und ein Absinken im Geiste, und seine strahlende Schönheit minderte sich. Er erfüllte Gottes Gebote lau und unvollkommen. Dies war sein erster Schritt zum Fall.



4. Ferner offenbarte Gott den Engeln,


dass er Menschen, vernünftige Geschöpfe einer niederen Ordnung, erschaffen wolle. Auch diese sollten Gott als ihren Urheber und ihr ewiges Gut lieben, fürchten und ehren. Er werde diese Natur überaus begnadigen. Die zweite Person der Heiligsten Dreifaltigkeit selbst werde Mensch werden und in Verbindung die menschliche Natur mit der Göttlichen zu einer Person vereinigen. Diesen zukünftigen Gottmenschen sollten die Engel nicht nur wegen Seiner Gottheit, sondern auch wegen Seiner Menschheit als ihr Oberhaupt anerkennen, verehren und anbeten. Als an Würde und Gnade Ihm untergeordnet, sollten sie Seine Diener sein. Zugleich ließ Gott die Engel erkennen, wie geziemend, gerecht und vernünftig diese Unterwerfung sei. Wie alle übrigen zukünftigen Geschöpfe hätten auch sie die Aufgabe, den Gottmenschen zu verherrlichen, weil Er aller Wesen König sei. Alle vernünftigen Geschöpfe, die der Erkenntnis und des Genusses Gottes fähig seien, sollten Sein Volk werden und ihn als ihr Haupt anerkennen und verehren. Dann wurde den Engeln das entsprechende Gebot erteilt. Die gehorsamen, heiligen Engel unterwarfen sich diesem Befehle sofort mit ganzer Willenskraft, mit demütigem und liebesglühendem Eifer.



5. Luzifer aber, voll Neid und aufgeblasener Hoffart, widersetzte sich


und trieb die gleichgesinnten Engel an, ein Gleiches zu tun. Auch sie gehorchten dem göttlichen Befehle nicht. Dafür versprach Luzifer ihnen, dass er ihr Haupt sein und ein unabhängiges Fürstentum gegen Christus aufrichten wolle. Neid und Hoffart und unordentliches Begehren verursachten in diesem einen Engel eine solche Verblendung, dass er unzählige mit der Pest der Sünde ansteckte. Nun erhob sich jener große Kampf im Himmel, von dem der Heilige Johannes berichtet. Die gehorsamen heiligen Engel entbrannten vor Eifer, die Ehre des Allerhöchsten und die Ehre des Gottmenschen, den sie in einem Gesichte schauten, zu verteidigen. Sie baten um die Erlaubnis und die Genehmigung des Herrn, gegen den Drachen zu streiten. Das wurde ihnen gewährt.



6. Hier muss ich noch ein anderes Geheimnis erwähnen


Als allen Engeln geboten wurde, dem menschgewordenen Wort zu gehorchen, empfingen sie als drittes Gebot jene Frau als Gebieterin anzuerkennen in dessen Schoß der Eingeborene des Vaters das menschliche Fleisch annehmen sollte. Diese Frau werde ihre Königin und die Herrin aller Geschöpfe sein und an Gnaden und Glorie alle Engel und Menschen überragen. Die guten Engel zeichneten sich durch Annahme dieses Befehls aus. Sie glaubten und priesen in tiefster Demut die Macht und Geheimnisse des Allerhöchsten. Luzifer und seine Anhänger aber erhoben sich infolge dieses Befehles bei der Offenbarung dieses Geheimnisses mit wachsendem Hochmut. In tobsüchtiger Wut begehrte Luzifer für sich die Auszeichnung, Haupt aller Engel und des ganzen Menschengeschlechts zu werden. Wenn dies nur durch die Verbindung der höheren mit der niederen Natur möglich sei, so solle sie an ihm geschehen. Im Hinblick auf die niedere Natur der Mutter des menschgewordenen Wortes (Maria) widersetzte sich Luzifer unter schauerlichen Lästerungen. In unbändigem Zorn empörte er sich gegen den Urheber solch großer Gnadenwunder. Er reizte seine Genossen auf und rief: „Diese Befehle sind unbillig! Meine Hoheit wird dadurch beleidigt! Darum will ich diese Natur die Du mit so großer Liebe anblickst und ferner noch so reichlich begnadigen willst, verfolgen und ausrotten. Dazu will ich meine ganze Macht und List aufbieten. Dieses Weib, die Mutter des Wortes, will ich von der Höhe, auf der Du sie zu erheben gedenkst, herabstürzen. Ich will Deine Pläne zuschanden machen!“



7. Diese aufgeblasene, eitle Hoffart reizte den Zorn des Herr


Zur Beschämung Luzifers sagte Er: „Diese Frau, die du nicht ehren willst, wird dir den Kopf zertreten, dich überwinden und zunichte machen. Wenn durch deinen Stolz der Tod in die Welt kommen wird, so wird durch ihre Demut das Leben und Heil der Menschen kommen. Sie werden jenen Lohn und jene Kronen empfangen, die du samt deinem Anhang verloren hast.“


Luzifer widerstrebte mit tollsinnigem Stolze allem, was er vom göttlichen Willen und Seinen Entschlüssen verstanden hatte. Er drohte dem ganzen Menschengeschlecht. Die guten Engel erkannten den gerechten Zorn des Allerhöchsten wider Luzifer und seinen Anhang. Sie stritten wider sie mit den Waffen des Verstandes, der Gerechtigkeit und der Wahrheit.


Darauf wirkte der Allerhöchste ein anderes geheimnisvolles Wunder. Nachdem Er den Engeln die hypostatische Union der zweiten Person mit der Menschheit durch Erleuchtung geoffenbart hatte, zeigte Er ihnen die allerseligste Jungfrau in einem visionären Bilde. Er ließ sie die reine menschliche Natur in einer höchst vollkommenen Frau schauen. In dieser werde Seine Allmacht viel wunderbarer wirken als in allen übrigen bloßen Geschöpfen, da Er in dieser Frau in unvergleichlich hohem Grade alle Gaben und Gnaden Seiner Rechten hinterlegen werde. Die Schau dieses Bildes der Himmelskönigin und Mutter des wirklichen Wortes wurde allen Engeln, den Guten und den Bösen, gewährt. Dieses Gesicht erfüllte die Guten mit Bewunderung. Sie sangen Loblieder und begannen gleich, mit inbrünstigem Eifer und dem unüberwindlichen Schild jenes Zeichens bewaffnet, die Ehre des Mensch gewordenen Gottes und Seiner Allerheiligsten Mutter zu verteidigen. Der Drache und sein Anhang hingegen flammten auf in einem unversöhnlichen Hass gegen Christus und Seine jungfräuliche Mutter.


Dann erfolgte, was im 12. Kapitel der Geheimen Offenbarung enthalten ist.


8. Auslegung des 12. Kapitels der Geheimen Offenbarung


Und es erhob sich ein großer Kampf im Himmel, Michael und seine Engel kämpften mit dem Drachen, und der Drache und seine Engel kämpften. Aber sie vermochten nicht standzuhalten, und ihr Platz im Himmel ging verloren. So wurde der große Drache gestürzt, die alte Schlange, die Teufel und Satan heißt und die ganze Welt verführt. Er wurde auf die Erde gestürzt, und mit ihm wurden seine Engel gestürzt.


Der Evangelist sagt: „Ein großes Zeichen erschien am Himmel, eine Frau, mit der Sonne umkleidet, den Mond unter ihren Füßen und eine Krone von zwölf Sternen auf ihrem Haupte.“ Dieses Zeichen ist durch Gottes Willen vor allen Engeln, den guten und den bösen, im Himmel wirklich erschienen. Im Schauen sollten sie ihren Willen entweder zum Gehorsam oder zum Ungehorsam gegen die Gebote des göttlichen Wohlgefallens entscheiden. Dieses Zeichen offenbarte ihnen auch, wie wunderbar Gott die menschliche Natur erschaffen würde. Wohl war sie ihnen schon bei der Offenbarung des Geheimnisses der Menschwerdung zu erkennen gegeben, doch Gott wollte sie ihnen auch noch in einem rein menschlichen, ganz vollkommenen, ganz heiligen Geschöpfe kundtun, das Er nächst Christus erschaffen werde.



9. Es war als sage Gott den Engeln:


„Ich will die Menschen nicht so wie euch züchtigen, weil aus ihnen eine Frau hervorgehen wird, in dessen Schoß Mein Eingeborener Fleisch annehmen soll. Er wird ihnen Meine Freundschaft wieder erweben, Meine Gerechtigkeit versöhnen und den Weg zur Seligkeit, den die Sünde verschlossen hat, wieder eröffnen.“


Er ließ die Engel erkennen, dass Er durch Vermittlung Christi und Seiner Mutter jene Gnaden und Gaben in den Menschen niederlegen wolle, die die abtrünnigen Engel durch ihre Treulosigkeit verloren hatten. Die Engel erkannten in diesem Zeichen auch viele Geheimnisse der Menschwerdung, der streitenden Kirche und ihrer Glieder, und dass sie, die Engel, berufen seien, den Menschen zu helfen, sie gegen ihre Feinde zu verteidigen und sie zur ewigen Seligkeit zu führen.



10. Noch ein anderes Zeichen erschien am Himmel:


Ein großer, feuerroter Drache mit sieben Köpfen und zehn Hörnern und sieben Kronen auf seinen Köpfen. Sein Schweif fegte den dritten Teil der Sterne des Himmels hinweg und warf sie auf die Erde. Nach dem Luzifer gegen diese im Zeichen dargestellte Frau seine Lästerungen ausgestoßen hatte, ward er sogleich aus einem überaus schönen Engel in einen fürchterlichen, abscheulichen Drachen verwandelt, so dass er in äußerer Gestallt als ein wahrnehmbares Zeichen erschien. Wütend erhob er sieben Köpfe, nämlich die sieben Legionen oder Heerscharen seines ganzen Anhanges. Jeder einzelnen Rotte setzte er ein Haupt vor und befahl ihnen, zu sündigen und zu den sieben Hauptsünden anzureizen und zu verführen. Diese werden Hauptsünden genannt, weil sie alle übrigen in sich schließen und sie gleichsam Hauptstandarten sind, die sich gegen Gott aufrichten. Es sind Hoffart, Neid, Zorn, Unkeuschheit, Unmäßigkeit, Trägheit, Geiz. Sie werden durch die sieben Kronen versinnbildlicht, mit denen Luzifer nach seiner Verwandlung in einen Drachen gekrönt wurde. Der Allerhöchste selbst hatte sie zur Strafe für die entsetzliche Bosheit dem Luzifer und den übrigen abtrünnigen Engeln durch Seinen heiligen Zorn geschmiedet. Jeder empfing seine besondere Strafe, die zugleich ein Merkmal war, das ihre Bosheit andeutete, durch die sie die Urheber der sieben Hauptsünden geworden waren.



11. Die zehn Hörner dieser Häupter


sind die Triumphe der Ungerechtigkeit und Bosheit des Drachens und bedeuten seine Ruhmsucht und aufgeblasene, stolze Vermessenheit, in der er die Ausübung der Laster sich selbst zuschreibt. In dieser bösen Gesinnung bot er, um das Ziel seines Stolzes zu erreichen, den unglücklichen Engeln seine lasterhafte, giftvolle Freundschaft an und stellte ihnen erdichtete Fürstentümer und Belohnungen in Aussicht. Diese Versprechen voll teuflischer Dummheit und Täuschung waren der Schwanz mit dem der Drache den dritten Teil der Sterne vom Himmel fegte. Die Engel waren helle Sterne, und wenn sie beharrt hätten, würden sie mit den übrigen Engeln und Gerechten wie Sonnen in alle Ewigkeit leuchten. Aber ihre wohlverdiente Strafe schleuderte sie auf die Erde, und zu ihrem Unglück gar bis in den Mittelpunkt derselben, nämlich in die Hölle, wo sie in Ewigkeit des Lichtes und der Freude entbehren müssen.



12. „Der Drache trat vor die Frau,


die gebären sollte, um ihr Kind gleich nach der Geburt zu verschlingen.“ Luzifers Stolz war so ungeheuer, dass er voll Anmaßung begehrte, seinen Thron über alle Sterne Gottes zu setzen. In Gegenwart der im Zeichen dargestellten auserwählten Frau fabelte der Tor: „Jener Sohn, den dieses Weib gebären wird, ist von Natur aus geringer als ich. Ich will Ihn verschlingen und vernichten. Meinen Anhang will ich gegen Ihn führen und wider Seine Gedanken und Gesetze meine Lehren ausstreuen. Einen ewigen Krieg will ich wider Ihn führen und in ewiger Feindschaft gegen Ihn verharren!“


Maria aber steht einzig da. Obwohl Adamstochter, überragt sie weit alle Engel an Gnaden, Gaben und Verdiensten.



13. Fortsetzung der Auslegung des zwölften Kapitels der geheimen Offenbarung


Und es erhob sich ein großer Kampf im Himmel, Michael und seine Engel kämpften mit dem Drachen, und der Drache und seine Engel kämpften. Nach dem der Herr obige Geheimnisse den guten und bösen Engeln geoffenbart hatte, begann der Heilige Michael mit den Seinen unter Zustimmung Gottes gegen den Drachen und seinen Anhang zu kämpfen. Dieser Streit war wunderbar. Er wurde nur mit den Waffen des Verstandes und des Willens geführt. Entflammt von Eifer für die Ehre Gottes, ausgerüstet mit der ihm von Gott verliehenen Macht und bewaffnet mit seiner eigenen Demut, widerstand Michael dem eitlen Hochmut des Drachens, indem er sagte: „Würdig ist der Allerhöchste aller Ehre, alles Lobes, aller Erfurcht. Er ist würdig der Erfurcht, der Liebe und des Gehorsams aller Geschöpfe. Er ist allmächtig und kann tun, was Er will. Nichts kann Er wollen, was nicht vollkommen gerecht ist. Er, der Unerschaffene und von keinem anderen Wesen Abhängige, gab uns aus Gnade alles, was wir besitzen. Er erschuf uns aus dem Nichts. Er kann auch andere Wesen erschaffen, wann und wie es ihm gefällt. Darum ist es höchst geziemend, dass wir uns vor Seinem göttlichen Thron niederwerfen und Seine göttliche Majestät und wesenhafte Hoheit anbeten, kommet also, ihr Engel, folget mir! Lasset uns Ihn anbeten. Seine wunderbaren geheimen Gerichte und Seine heiligen, vollkommenen Werke lobpreisen.



14. Er ist Gott, der Allerhöchste, König aller Geschöpfe


Er wäre es nicht, wenn wie Seine großen, machtvollen Werke begreifen könnten. Seine Weisheit und Güte sind unendlich. Er ist reich an Schätzen und Segnungen, Herr aller Dinge. Keines anderen bedürftig, kann Er Seine Schätze mitteilen, wem Er will. In Seiner Wahl kann Er nicht irren. Er kann lieben und sich dem Geliebten mitteilen. Er kann lieben, wen Er will, und erschaffen, erhöhen, bereichern nach Seinem Wohlgefallen. In allem ist Er stets der Weise, der Heilige, der Allmächtige. Lasset uns Ihn mit tiefster Dankbarkeit anbeten wegen der Wunderwerke der Menschwerdung und der Auserwählung Seines Volkes. Auch wegen dessen Erlösung, wenn es fallen sollte. Jenem Vorhergeschauten wollen wir in beiden Naturen, der göttlichen und der menschlichen, anbeten und verehren, Ihn als unser Haupt anerkennen und freimütig bekennen, dass Er, der Urheber aller Gnade und Glorie, aller Ehre, alles Lobes und aller Herrlichkeit würdig sei. Lasset uns Ihm zurufen: „Du bist der Starke, der Mächtige, Du bist Gott!“



15. Mit diesen Worten kämpften der Heilige Michael und sein Anhang


Wie mit heftigen Blitzen stritten sie wider den Drachen und seinen Anhang. Diese hingegen kämpften mit Gotteslästerungen. Luzifer aber konnte vor dem Antlitz des heiligen Engelsfürsten nicht bestehen. Er verging vor Wut und wollte vor Qual entfliehen; allein der Göttliche Wille gebot, dass er nicht nur gestraft, sondern auch überwunden werde und die Wahrheit und Allmacht Gottes erfahre, er mochte wollen oder nicht. Trotzdem lästerte er: „Gott ist ungerecht, wenn Er die Natur der Menschen über die Natur der Engel erhebt. Ich bin der erhabenste und schönste Engel, mir gebührt der Triumph und Huldigung. Ich will meinen Thron über die Sterne setzen und gleich sein dem Allerhöchsten. Keinem einzigen von niederer Natur werde ich mich unterwerfen und niemals zugeben, dass ein anderer mir vorgehe oder sich über meine Hoheit erschwinge!“ Dasselbe wiederholten seine abtrünnigen Anhänger.


16. Doch Michael erwiderte: „Wer ist wie der Herr, unser Gott, der in den Höhen wohnt?


Schweige, Feind, mit deinen ungeheuren Lästerungen! Du bist ganz von Bosheit besessen, darum fort aus unserer Gesellschaft, du Unglückseliger! Fahre hinab mit deiner blinden Unwissenheit und deiner Bosheit in die finstere Nacht und in das Chaos der höllischen Pein! Wir hingegen, o Geister des Herrn, wollen Gott anbeten und verehren. Die glückselige Frau aber, die dem ewigen Wort die menschliche Natur schenken wird, wollen wir als unsere Herrin und Königin anerkennen.“ Jenes > große Zeichen < der Himmelskönigin war in diesem Streit für die guten Engel wie Schild und Waffe gegen die bösen Abtrünnigen. Dem gegenüber waren die Streitgründe Luzifers kraftlos. Er wurde verwirrt und sprachlos und konnte die in diesem Zeichen dargestellten Wahrheiten nicht ertragen. Wie dieses geheimnisvolle Zeichen durch Gottes Kraft erschienen war, so wollte Gott auch, dass ein anderes Zeichen, der rote Drache, sichtbar werde und Luzifer in dieser Gestallt zum Entsetzen und Erschrecken seines Anhanges und zur Verwunderung der heiligen Engel mit Schande aus dem Himmel verstoßen werde.


17. So offenbarte sich aufs Neue Gottes Macht und Gerechtigkeit


Den Verlauf dieses Streites kann man mit Worten schwerlich schildern, weil der Abstand zwischen unserem Begreifen und der Tätigkeit so vieler erhabener Engel zu groß ist. Die Bösen wurden nicht Herr, denn Ungerechtigkeit, Lügenwerk, Unwissenheit und Bosheit können Gerechtigkeit, Wahrheit, Licht und Güte nicht überwältigen, noch können diese Tugenden von den Lastern überwunden werden.


Deshalb sagt der Evangelist: „Aber sie vermochten nicht standzuhalten, und ihr Platz im Himmel ging verloren.“ Die unglückseligen Engel machten sich durch ihre Sünde der ewigen Anschauung und Gesellschaft Gottes unwürdig. Ihr Andenken wurde aus dem göttlichen Geiste ausgelöscht, wo sie vor ihrem Fall durch ihre Gnadengaben gleichsam eingeschrieben waren. Sie verloren ihr Recht auf die im Falle ihres Gehorsams ihnen zubereiteten Plätze. Dieses Anrecht ging nun auf die Menschen über. Von den abtrünnigen Engeln wurde jede Spur so vollständig ausgelöscht, dass nichts mehr von ihnen im Himmel zu finden war.


Oh unglückselige Bosheit, unbeschreibliches Unglück, würdig einer so entsetzlichen Strafe!



18. So wurde der große Drache gestürzt,


und mit ihm wurden seine Engel gestürzt. Der heilige Erzengel Michael verstieß den elenden, in einen Drachen verwandelten Luzifer mit jenem unüberwindlichen Wort: „Wer ist wie Gott?“ Es war so kräftig, dass es jenen stolzen Riesen samt seinen Rotten niederschmetterte und mit unvergleichlicher Schande in den tiefsten Abgrund der Erde hinunterschleuderte. Nun empfing er zu seinem Unglück und zur Strafe auch noch neue Namen, wie Drache, Schlange, Teufel, Satan. Namen, die der heilige Erzengel ihm im Streite beigelegt hatte, um dadurch seine Bosheit und Ungerechtigkeit auszudrücken. Wie er durch seine Tücke alles Glück und alle Ehre verwirkt hatte, so ward er auch aller Ehrentitel beraubt und stattdessen mit Schandnamen bezeichnet. Übrigens legte schon sein Bosheitsplan, den er seinen Bundesgenossen vorschlug und befahl, nämlich die Erdenbewohner zu betören und zu verführen, seine Arglist mehr als genügend an den Tag. So ward also jener, der in seinen Gedanken schon alle Völker zerschmetterte, hinabgeschleudert in die Hölle.

Von Ihm sagt Isaias: „In die Unterwelt wirst du hinabgestürzt, in die Tiefe des Pfuhles. Dein Leichnam wird übergeben den Motten und dem Wurme deines bösen Gewissens“ (Is. 14, 15). Es erfüllte sich an Luzifer alles, was Isaias im 14. Kapitel seines Buches berichtet.



19. So war nun der Himmel von den bösen Engeln gesäubert


Für die guten und gehorsamen aber fiel der Vorhang der Gottheit. Triumphierend gingen sie in ihre Glorie ein, während die Abtrünnigen ihre Strafe empfingen.


Gott offenbarte den Engeln einen Teil der göttlichen Beschlüsse und sprach: „Luzifer hat sein Banner der Hoffart und der Sünde aufgepflanzt. Mit vollendeter Bosheit und starkem Grimm wird er das menschliche Geschlecht verfolgen und viele durch Arglist verführen und so verleiten, dass die Menschen sich gegenseitig umbringen. In der Blindheit der Sünden und Laster werden sie zu verschiedenen Zeiten in unheilvoller Unwissenheit sich empören, aber Hoffart, Lüge und alle Arten von Sünden sind Meinem Wesen und Willen unendlich fern. Wir wollen darum der Tugend und Heiligkeit den Triumph verleihen.“



20. Schluss der Auslegung des zwölften Kapitels der Geheimen Offenbarung


Wehe der Erde und dem Meere, denn der Teufel ist zu euch mit gewaltigem Grimm herabgestiegen. Er weiß, wie kurz seine Frist ist. Wehe der Erde, dem zukünftigen Schauplatz so vieler Übeltaten! Wehe dem Meere, weil es so entsetzlichen Lastern gegenüber sich nicht in tosenden Strömen ergoss, die Übeltäter zu ertränken und die Unbilden wider Gott, Seinen Schöpfer zu rächen. Doch noch viel mehr wehe dem unergründlichen, in aller Bosheit verhärteten Meere, das sind jene, die dem Teufel nachfolgen. Er ist herniedergestiegen, euch in großem Zorn und unerhörter Grausamkeit mit Krieg zu überfallen. Die Wut dieses grimmigen Drachens, der ärger ist als ein blutiger Löwe, will alles verschlingen. Alle Tage der gesamten Weltzeit dünken ihm eine kurze Frist, seinen Grimm zu befriedigen. So groß ist sein Durst und seine Gier, die Menschen zu verderben, dass ihm ihre ganze Lebenszeit nicht genügt. Seine Tobsucht wünscht ewige Zeiten, wenn sie möglich wären, um gegen die Kinder Gottes einen ewigen Krieg führen zu können. Vor allem kehrt sich sein Grimm gegen jene gottselige Frau, die ihm den Kopf zertreten wird.


Als der Drache sich auf die Erde hinabgestürzt sah, verfolgte er die Frau, die den Knaben geboren hatte. Nachdem die alte Schlange, der Teufel, den unseligen Ort und Zustand, in den er geraten war, erkannte, entbrannte er in noch heftigerem Grimm und Neid. Er hätte sich selbst wie ein wütendes Tier zerreißen mögen. Gegen die Frau, die Mutter des menschgewordenen Wortes, fasste er einen solchen Groll, das ihn kein Mensch zu begreifen mag.


Als Luzifer und sein teuflischer Anhang in der Hölle angekommen war, hielt er gleich mit allen eine Ratsversammlung. In dieser Zeit bot Luzifer seinen Verstand und seine ganze teuflische Bosheit auf, mit seinen höllischen Genossen zu überlegen, wie sie Gott am ärgsten beleidigen und sich an ihm für die über sie verhängte Strafe rächen könnten.


Das Endergebnis dieser Versammlung war kurz folgendes: Weil Gott aller Voraussicht nach die Menschen sehr lieben werde, würde die ärgste Rache und schwerste Unbill darin bestehen, dass sie die Wirkung der göttlichen Liebe verhinderten, indem sie die Menschen betörten, verführten und so viel wie möglich aufreizten, gegen Gott undankbar und rebellisch zu sein. Dadurch würden sie Seine Gnade und Freundschaft verlieren.


Luzifer sagte: „Nach dieser Erkenntnis müssen wir arbeiten, und alle Kräfte und Sorgen aufbieten. Wir wollen die Menschen unseren Einsprechungen und unserem Willen unterwürfig machen und sie dadurch verderben. Wir wollen das ganze Menschengeschlecht verfolgen und es um seinen verheißenen Lohn bringen. Wir wollen unsere ganze Wachsamkeit aufbieten, dass die Menschen nicht zur Anschauung Gottes gelangen, weil diese uns ungerechter Weise verweigert wurde. Großen Triumph werde ich über sie feiern. Alles werde ich verheeren und meinem Willen unterwerfen. Ich will Irrtümer und Sekten und meine den Gesetzen Gottes zuwiderlaufenden Gesetze verbreiten. Ich selbst werde aus den Menschen Propheten und Anführer erwecken, in sie meine Irrlehren säen, die sie überall verbreiten sollen. Darauf will ich aus Rache gegen ihren Schöpfer sie zu mir in die Qualen der Hölle hinabziehen.


Die Armen will ich bedrängen, die Notleidenden unterdrücken, die Verlassenen verfolgen. Ich will Zwietracht säen, Kriegsflammen entzünden, Völker gegen Völker hetzen, Hochmütige und Freche hervorbringen, die das Gesetz der Sünde überall ausbreiten. Alle die mir folgen, will ich im ewigen Feuer vergraben. Jene die sich mir am engsten anschließen, will ich in den Ort der größten Qualen versenken. Daraus wird mein Reich sein, das ist der Lohn, den ich meinen Knechten gebe.


Dem menschgewordenen Wort (Christus) will ich einen blutigen Krieg ankündigen. Wenn Er auch Gott ist, so wird Er doch auch Mensch sein, also von einer niederen Natur als ich. Ich will meinen Thron und meine Würde über die Seinige erheben, durch meine Macht und Arglist Ihn überwinden und stürzen. Die Frau, die Seine Mutter wird, soll unter meinen Händen vergehen. Denn was sollte für meine Macht und Größe eine einzige Frau bedeuten? Ihr Dämonen aber, die ihr mit mir vergewaltigt worden seid, folgt mir nach und gehorcht mir jetzt in der Rache, wie ihr mir damals im Ungehorsam gefolgt seid. Heuchelt Liebe zu den Menschen und richtet sie dadurch zugrunde. Dienet ihnen betrüglich, um sie zu stürzen. Macht sie schlecht und zieht sie zu mir hinab in die Hölle.“

Keine menschliche Zunge vermag den Grimm und die Bosheit dieser ersten höllischen Ratsversammlung gegen das Menschengeschlecht zu schildern, das noch gar nicht erschaffen war.

Damals wurden alle Laster und Sünden der Welt ausgedacht. Von dorther entspringen alle Lügen, Irrtümer und Glaubensspaltungen. Alle Ungerechtigkeit hat in dieser chaotischen Versammlung ihren Ursprung. Alle die Bosheit verüben, dienen dem Fürst der Hölle.



21. Der Fall von Adam und Eva im Paradies


Der glückliche Gnadenstand des ersten Elternpaares dauerte nur kurze Zeit, weil bald der Neid der Schlange gegen sie erwachte. Sie hatten immer mit Spannung auf die Erschaffung der ersten Menschen gelauert. Luzifer sah die Entstehung aller übrigen Geschöpfe. Die Erschaffung Adams aber sowie die Gestaltung Evas aus seiner Rippe wollte ihm Gott nicht offenbaren. Dies alles blieb ihm verborgen, bis beide beisammen waren.


Als nun Luzifer die alle anderen Geschöpfe überragende wunderbare Gestaltung der menschlichen Natur sowie die leibliche und seelische Schönheit Adams und Evas erblickte und die väterliche Liebe erkannte, mit der der Herr sie ansah und zu Herren der ganzen Schöpfung machte und ihnen die Hoffnung auf das ewige Leben verlieh, entflammte sein Zorn mehr denn je. Unbeschreiblich ist der Grimm, in dem die stolze Schlange sich wand und ihren Neid anfeuerte, um Adam und Eva wie ein reißender Löwe ums Leben zu bringen. Er hätte es getan, wenn eine höhere Macht ihn nicht gehindert hätte. Er überlegte, wie er beide der Gnade Gottes berauben und sie gegen den Allerhöchsten aufwiegeln könne.


22. Luzifer betrog sich selbst


Der Herr hatte ihm gleich im Anfang geoffenbart, dass das Göttliche Wort im reinsten Schoße Mariä Mensch werde, aber wann und wie verbarg Er ihm wie die Erschaffung Adams und die Bildung Evas. Luzifer sollte sofort seine Unwissenheit bezüglich des Geheimnisses und der Zeit der Menschwerdung empfinden. Da seine Wut und Wachsamkeit vorzüglich auf Christus und Maria gerichtet waren, mutmaßte er, Adam sei aus Eva geboren, sie sei seine Mutter, und Adam könnte das fleischgewordene Wort sein. Diese Ansicht verstärkte sich, als er jene göttliche Kraft verspürte, die ihn zurückhielt, sie zu töten. Seine Mutmaßung verlor sich nach und nach, als er Adam und Eva über das Gebot sprechen hörte, das Gott ihnen gegeben hatte. Er fing an ihre Gespräche zu belauschen und ihre Anlagen auszuspähen.

Er umschlich sie wie ein hungriger Löwe, um durch ihre Neigungen, die er in ihnen erkannte, in sie einzudringen. Bevor er alles ausgekundschaftet hatte, schwankte er ständig zwischen dem Zorn gegen Christus und Maria und der Sorge, von ihnen überwunden zu werden. Am meisten jedoch fürchtete er die Schande, von der Himmelskönigin besiegt zu werden, da sie ja nur ein Geschöpf war und nicht Gott.



23. An das Gebot anknüpfend,


das Gott Adam und Eva gegeben hatte, bewaffnete sich Luzifer mit einer verführerischen Lüge und begann, mit aller Gewalt sich dem Willen Gottes zu widersetzen. Nicht den Mann, sondern die Frau fiel er zuerst an, weil er erkannte, dass sie zarter und schwächer von Natur sei. Auch hatte er dabei die Gewissheit, dass er nicht Christus angreife. Dazu kam, dass er wieder in größten Zorn geriet wegen des Zeichens, das er im Himmel gesehen hatte, als Gott ihm im Hinblick auf diese Frau drohte. Dies alles brachte ihn heftiger gegen Eva auf als gegen Adam. Bevor er sich ihr zeigte, erdreistete er sich, ihr allerlei ungeordnete Gedanken und lebhafte Vorstellungen einzuflößen, um sie so einigermaßen verwirrt und unvorbereitet zu finden.

Ich will jetzt nur sagen, dass der Satan Eva gewaltig, ja unmenschlich versuchte. Es genügt hier zu wissen, was die Heilige Schrift darüber berichtet, dass nämlich Luzifer in Gestalt einer Schlange mit Eva geredet hat. Sie hörte auf das Gespräch, was sie nicht hätte tun sollen, denn durch das Anhören und Antworten kam sie dazu, dem Satan zu glauben und das Gebot zu übertreten. Darauf überredete sie auch ihren Mann, der zu seinem und aller Menschen Unheil auch das Gebot übertrat. Dadurch verloren sie für sich wie auch für uns den Stand der Gnade.



24. Als Luzifer den Fall der Stammeltern gewahrte,

und sah, dass die innere Schönheit der Gnade und Gerechtigkeit der Abscheulichkeit der Sünde gewichen war, frohlockte und triumphierte er unbeschreiblich vor den höllischen Geistern. Doch sein Jubel verstummte sogleich, als er erkannte, dass ganz gegen seinen Wunsch und seine Erwartung die göttliche Liebe und Barmherzigkeit die beiden Übeltäter begnadigte, ihnen Zeit zur Buße und Hoffnung auf Verzeihung gewährte, für die sie sich durch wahre Reue empfänglich machten. Luzifer sah, wie ihnen die Schönheit der Gnade und die Freundschaft Gottes wieder hergestellt wurde.

Die großen Wirkungen der vollkommenen Reue erschreckten und verwirrten aufs Neue die ganze Hölle. Luzifers Bestürzung wuchs noch, als er das Urteil Gottes gegen die Schuldigen vernahm, das er sich ganz anders gedacht hätte, besonders aber, als er aufs Neue die Drohung hörte: „Die Frau wird dir den Kopf zertreten!“

Fortsetzung Teil 2